Allergien

Hyposensibilisierung – das Übel an der Wurzel packen

Die einzige ursächliche (die Ursachen bekämpfende) Therapie gegen Allergien ist die Hyposensibilisierung, in der Medizin auch als Spezifische Immuntherapie (SIT) bezeichnet. Dabei werden Extrakte verschiedener Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Insektengifte und Schimmelpilze über einen Zeitraum von etwa drei Jahren in kleinen, ansteigenden Dosen regelmäßig unter die Haut (subkutan) in den Oberarm injiziert. Anfangs folgt jede Woche eine Injektion (Einleitungsphase) mit der Allergen-Zubereitung, nach sieben bis zwölf Wochen nur noch einmal im Monat (Erhaltungsdosis). Verwendet wird ein standardisiertes Allergenpräparat mit der Substanz, auf die der Patient allergisch reagiert. Durch schrittweise Gewöhnung versucht man so das Immunsystem dazu zu bringen, weniger (hypo) empfindlich (sensibel) auf die Allergene zu reagieren. Das hat zahlreiche positive Effekte: Der Medikamentenverbrauch wird vermindert und Schlimmeres kann in der Regel abgewendet werden: Bei Heuschnupfen etwa besteht die Gefahr des Etagenwechsels hin zum allergischen Asthma, bei Insektengiftallergien könnte es zum anaphylaktischen Schock kommen. Mit Hilfe der SIT kann jedoch die Toleranz des Immunsystems wieder zurückgewonnen werden. Das führt zu einem Nachlassen der Beschwerden und bringt verlorengegangene Lebensqualität wieder zurück. Und es beugt schlimmeren Folgen einer Allergie vor. Die medizinische Forschung arbeitet heute auch daran, Spritzen durch Tropfen oder Allergentabletten zu ersetzen. Für Gräserpollen ist das beispielsweise bereits gelungen. Die Therapielösung oder Tablette wird dabei in den Mund unter die Zunge gebracht, dort einige Zeit belassen und später geschluckt oder wieder ausgespuckt. Das muss anfangs täglich, später noch alle drei Tage geschehen. Auch hier steigt die Dosis langsam an. Für diese Sublinguale Hyposensibilisierung (SLIT) benötigt man ca. eineinhalb Jahre Zeit. Bei Heuschnupfen können die Dermatologen Erfolgsraten der Hyposensibilisierung von 80 bis 90 Prozent vorweisen. Während der Einleitungsphase von SIT und SLIT können allergische Krankheitssymptome auftreten. Diese beschränken sich jedoch meist auf Juckreiz und Schwellung an der Einstichstelle. Seltener sind Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens wie Abgeschlagenheit oder Kopfschmerzen. Allergische Reaktionen wie Quaddeln, Atemnot, Kreislaufreaktionen oder das Auftreten von Ekzemen sind nicht völlig auszuschließen. Vorteil der sublingualen Immuntherapie: Sie ist schmerzfrei, die Betroffenen müssen nicht regelmäßig in eine Praxis oder ein Krankenhaus gehen und sparen so Zeit. Die Gefahr eines allergischen Schocks und anderer Nebenwirkungen sind äußerst klein. Allerdings fehlen für sehr viele Allergene noch Studien und Langzeiterfahrungen. Der SLIT wird bisher in Deutschland noch nicht der gleiche Status zuerkannt wie der „Spritzentherapie“. Doch Forscher weltweit sind sich einig, dass sie eine vielversprechende Alternative darstellt. Zwar lassen sich die Beschwerden einer Allergie auch mit verschiedenen Arzneien lindern, doch Betroffene sind immer gefährdet, bekannte oder neue Symptome bis hin zu einem allergischen Schock zu entwickeln. Die Medikamente behandeln nur die Symptome, aber nicht die Ursache einer Allergie. Gegen die Symptome einer Allergie helfen vor allem Antihistaminika oder Kortison. Cromoglicinsäure (DNCG) in Augen- und Nasentropfen oder Nasensprays soll die Histaminfreisetzung aus Mastzellen reduzieren. Auch psychische Behandlungen können helfen, Symptome zu lindern.

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