Düfte und Parfüm

Trends ab den 90er Jahren – Präferenzen einer jungen und jung gebliebenen Generation

Im Laufe der 90er Jahre wurde bei den jüngeren Generationen ein Wandel der tradierten Unterschiede deutlich. Auch aufgrund veränderter Lebenssituationen, die immer weniger durch schwere körperliche Tätigkeiten geprägt waren und sind, und in denen Schweiß eher mit Angst und Versagen denn mit Leistung assoziiert wird, entwickelten junge Männer zunehmend „weibliche” Einstellungen zum eigenen Körpergeruch. Trotz aller Tendenzen dieser Zeit „zurück zur Natur” setzte sich der Trend zur Unterdrückung bzw. nachhaltigen Beseitigung des Körpergeruchs weiter fort. So waren bei Jugendlichen als den zukünftigen Hauptkonsumenten von Körperpflegemitteln seinerzeit bereits positive Einstellungen zum Duft zu verzeichnen. Eine im Mai 1994 im Auftrag des IKW bei Kindern und Jugendlichen durchgeführte psychologische Grundlagenstudie zeigte, dass für mehr als die Hälfte der Befragten auch die Verwendung von Düften zur Körperpflege gehörte, insbesondere für Mädchen und junge Frauen, dabei eher im Osten als im Westen Deutschlands. Bereits ein Drittel der befragten Jugendlichen gab an, gut riechen zu wollen. Mit zunehmendem Alter wachsen bei Jugendlichen – und das gilt nach wie vor – die narzisstischen Motive (Narzissmus = starke Selbstliebe) für Körperpflege, wobei der eigene Duft wesentliches Merkmal des Individualismus wird.

Schrittmacher dieser Entwicklung waren insbesondere die jungen Frauen, die aufgrund der nicht selten sehr früh einsetzenden Menstruation und der gemeinsamen Schulerziehung mit Jungen schon sehr frühzeitig besondere Hygienemaßnahmen einübten. Ebenso führte ihre zunehmende Berufstätigkeit und Bekanntheit zur Unterdrückung unwillkürlicher, geschlechtsspezifischer Gerüche, erleichtert durch das in immer größerem Maß zur Verfügung stehende Angebot an Reinigungs- und Hygienemitteln. In der Folge haben junge Frauen zunehmend weniger Vorstellungen vom eigenen Körpergeruch und verlieren damit die Fähigkeit, zwischen positiven und negativen Eigengerüchen zu unterscheiden. Verunsichert im Umgang mit anderen Nicht-Riechenden, suchen sie Orientierung mittels künstlicher Duftstoffe, die je nach Situation, Stimmung sowie Körperregion variieren können und immer stärker identifizierende und soziale Funktionen zugewiesen bekommen. Alles, was „natürlich” riecht, empfinden sie als potentiell suspekt, da unbekannt und unbeeinflussbar. Der Geruchssinn dient einerseits als Kontrollinstanz, dass auch wirklich kein Körpergeruch vorhanden ist. Andererseits hilft er, die Auswahl der jeweils emotional und sozial als passend erscheinenden künstlichen Düfte zu treffen und wird so quasi zum Messinstrument für Kultur. Aus diesen Gründen zeigten sich Mädchen und junge Frauen bei Düften in den 90ern zunächst besonders markenbewusst.

Bei Männern herrschte Anfang der 90er auf dem Gebiet des eigenen Geruchs noch Verunsicherung. Ausgelöst durch die in der weiblich dominierten Sauberkeitserziehung vermittelte Devise „weg vom natürlich-animalischen Geruch – hin zum kultivierten Duft” waren, außer dem Wissen, nicht riechen zu dürfen, die konkreten Inhalte männlichen Duftens letztlich nicht klar. Während ein süßer Duft als klebrig, betäubend, anbiedernd und damit weiblich klassifiziert wurde, galt ein frischer und herber Geruch zumindest als Leitmarke.

Aktuelles aus der Themenwelt

Pflanzliche Duftstoffe – ätherische Öle ... schon gewusst?

Pflanzliche Duftstoffe – ätherische Öle ... schon gewusst?

Pflanzenduft beruht im Wesentlichen auf ätherischen Ölen – flüchtige, stark riechende Stoffwechselprodukte, die von bestimmten Pflanzen unter anderem in Blüten, Samen oder Blättern von Drüsen- bzw. Sekretzellen produziert werden. Ein ätherisches Öl ist eine Mischung...

mehr lesen

Inhaltsstoffe / INCI

Sie möchten mehr über einen Inhaltsstoff wissen?
Geben Sie den Suchbegriff hier ein... und nutzen Sie unseren INCI-Service.
Die INCI-Datenbank bietet Erklärungen zu Funktionen und Wirkstoffen.



Informationen zum INCI-Service
Portrait Prof. Dr. Volker Steinkraus

Experten geben Rat: Kann man die Hautpflege auch übertreiben?

Interview mit Prof. Dr. Volker Steinkraus, Facharzt für Dermatologie mehr lesen

Portrait Prof. Dr. Lucia A. Reisch

Experten geben Rat: Produkttransparenz

Interview mit Prof. Dr. Lucia A. Reisch, Ökonomin und Verbraucherforscherin mehr lesen

Sonja Dargatz, Deutscher Neurodermitis Bund e.V.

Experten geben Rat: Neurodermitis – Gezielte Hautpflege ist ein wichtiger Baustein, um die typischen Symptome zu lindern

Bei Neurodermitis ist das Gleichgewicht der Haut irritiert und die notwendige Barrierefunktion der Haut ist gestört. Je nach Entzündungsgrad, Jahreszeit und persönlichen Vorlieben der Betroffenen sind gezielte Pflegemaßnahmen sinnvoll, die insbesondere zur Linderung...

Natur- und Biokosmetik – Kriterien

Ein zunehmender Trend, beim Einkauf auf umwelt-, gesundheits- und sozialverträgliche Kriterien zu achten, zeigt sich auch im Bereich der Schönheits- und Körperpflege. Natur- und Biokosmetik findet zunehmend das Kaufinteresse der Verbraucher. Die VERBRAUCHER INITIATIVE...
Birgit Huber

Experten geben Rat: Mikrokunststoffe in kosmetischen Mitteln: Funktion – Suche nach Alternativen

Interview mit Birgit Huber, Leiterin des Bereichs Schönheitspflege beim Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW e.V.)

Portrait Frau Dr. Walther

Experten geben Rat: Sicherheitsbewertung und Kontrolle kosmetischer Produkte

Interview mit Frau Dr. Cornelia Walther vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mehr lesen

Experten geben Rat: Corona-Pandemie – Ist Sonnenschutz erforderlich oder verzichtbar?

Die notwendigen Schutzmaßnahmen zur Vermeidung der Covid-Übertragung, die entsprechenden Ausgangs- und Kontakteinschränkungen haben etliche Modifikationen des alltäglichen Lebens mit sich gebracht. „Sonnengenuss“ hat in den letzten Wochen meist auf dem Balkon, der...
Portrait Prof. Dr. Dr. Jürgen Lademann

Experten geben Rat: „Der Haut Zeit geben“ – Schutz vor Hautschädigungen durch Sonnenstrahlung

Interview mit Prof. Dr. rer. nat. Dr.-Ing. Jürgen Lademann, Charité, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie mehr lesen

Portrait Dr. Josef Kahl

Experten geben Rat: Körperpflege und Hygiene – Bestandteil der Gesundheit?

Interview mit Dr. Josef Kahl, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Kinderkardiologe. mehr lesen

Portrait Ricarda Zill

Experten geben Rat: Dekorative Kosmetik – Grundsätzliches und Besonderes

Interview mit Ricarda Zill, freie Visagistin und Seminarleiterin bei Kursen zu Hautpflege, Dekorativer Kosmetik und Haarpflege. mehr lesen

Experten geben Rat: Beim Sonnenschutz sind individuelle Faktoren zu beachten!

Zum Schutz vor Hautschädigungen durch Sonnenstrahlen, also sowohl dem Sonnenbrand als auch den Langzeitschäden wie Hautkrebs, wird Verbrauchern der Einsatz von Sonnenschutzmitteln empfohlen. Bei den meisten Menschen ist diese Empfehlung akzeptiert und die Verwendung...
Portrait Prof. Dr. med. Johannes Geier

Experten geben Rat: Parabene in Kosmetika

Interview mit Prof. Dr. med. Johannes Geier, Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK)

Portrait Prof. Dr. Ortwin Renn

Experten geben Rat: Risikokommunikation – Fakten benennen, Verwirrungen vermeiden

Interview mit Prof. Dr. Ortwin Renn, Leiter der Abteilung Technik- und Umweltsoziologie des Instituts für Sozialwissenschaften und Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung (ZIRIUS) der Universität Stuttgart mehr lesen

Portrait Andrea Wallrafen

Experten geben Rat: Ärztliche Versorgung für Allergiker unzureichend

Interview mit Andrea Wallrafen, Bundesgeschäftsführerin Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB) mehr lesen

Portrait Manfred Hohmann

Experten geben Rat: Haare – färben, verlängern und pflegen

Interview mit Manfred Hohmann, Friseurmeister, Hairstyler und qualitätsbewusster Entwickler von neuen Methoden für die zufriedenstellende Frisur mehr lesen

Experten geben Rat: Titandioxid in Kosmetik und Körperpflegeprodukten

Titandioxid wird in vielen Produkten des täglichen Lebens verwendet, wie zum Beispiel in Farben und Lacken, Arzneimitteln oder Lebensmitteln. Auch Kosmetika können Titandioxid enthalten. Die Europäische Kommission hat den Stoff mit Wirkung ab August 2022 in...
Portrait Dr. Herbert Grundhewer

Experten geben Rat: Sonnenschutz

Interview mit Dr. Herbert Grundhewer, Kinder- und Jugendarzt mehr lesen

Logo BfR

Experten geben Rat: Zur Sicherheit von Kosmetik-Inhaltsstoffen

Interview mit Prof. Dr. Dr. Andreas Luch, Leiter der Abteilung „Sicherheit von verbrauchernahen Produkten“ beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) mehr lesen

Portrait Dr. Silvia Pleschka

Experten geben Rat: Kosmetische Produkte – Allergie-Management ist möglich

Interview mit Dr. Silvia Pleschka, Dipl. Chemikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e.V. mehr lesen

Portrait Prof. Dr. Stefan Zimmer

Experten geben Rat: Fluoride in Zahncreme – Was bewirken sie?

Interview mit Prof. Dr. Stefan Zimmer, Universität Witten/Herdecke mehr lesen

Aktuelle Artikel

Share This