Allergien

Beispiel Nickelallergie: „Nickel ist (fast) überall“

Nickel ist seit Jahren und noch immer unangefochten das Top-Allergen. In Deutschland haben schätzungsweise 1,9 bis 4,5 Millionen Menschen eine Nickelallergie. Etwa 16 Prozent der getesteten Patienten (alters- und geschlechtstandardisiert) sind gegen Nickel-Sulfat sensibilisiert. Allergien gegen dieses verbreitete Metall werden meistens durch nickelhaltigen Schmuck, z. B. Ohrstecker oder Piercing, Ohrclips, Ringe oder Halsketten ausgelöst. Die Sensibilisierung findet oftmals schon im Kindesalter statt. Kleine „unechte“ Halskettchen und Ohrringe sind bei kleinen Mädchen und vielen Müttern gleichermaßen beliebt. Waren früher die Schnallen von Strumpfhalter und Mieder sowie unechte Ohrstecker Ursache von Nickelallergien, so hat seit den 1990er Jahren bis heute das ‚body-piercing‘ neue Sensibilisierungswege für Nickelsulfat eröffnet. Nickel kann zudem in zahllosen Gegenständen des Alltags enthalten sein: In (Mode-)Schmuck, Brillengestellen und Armbanduhren ebenso wie in verschiedenen Verschlüssen an Kleidungsstücken wie Knöpfen oder Reißverschlüssen sowie an Schuhen in Haken und Schnallen. Auch in der Küche ist Nickel vertreten, z.B. in Kochtöpfen, Bestecken oder Küchengeräten. Und auch Gebrauchs- und Wohnungsgegenstände wie Scheren, Schlüssel und Türklinken können Nickelquellen sein. Sogar in Silber und Weißgold sowie in Geldmünzen können erhebliche Mengen Nickel enthalten sein. In Metalllegierungen finden sich bis zu 20 Prozent Nickel. Nickelallergiker müssen sogar mit gewissen Nahrungsmitteln vorsichtig sein. Nickel findet man in Kakao, Schokolade, Soja, Hafer, Muscheln, Hülsenfrüchten (z.B. Bohnen), Cashewkernen und schwarzem Tee. Aber auch in Erd- und Haselnüssen, Sonnenblumenkernen und Lakritze kann Nickel enthalten sein. Die Schale aller Getreidearten enthält Nickel. Lebensmittelkonserven können ebenfalls nickelhaltig sein. Ein Lichtblick ist die Entwicklung bei den Frauen im Alter unter 40 Jahren. Hier deutet sich in den letzten Jahren ein leicht abschwächender Trend der Nickelsensibilisierung an. Zwischen 1992 und 2001 gingen die Quoten der Nickelsensibilisierung in der jüngsten Altersklasse (30 Jahre oder jünger) von 28,0 auf 17,5 Prozent (signifikant) zurück. In älteren Altersklassen zeigten sie einen leicht, aber signifikant ansteigenden Trend. Bei den Männern sind die Trends ähnlich, aber auf niedrigerem Niveau. Auch bei jungen Männern waren und sind Piercings beliebt. In der Altersklasse der Männer unter 30 gingen zwischen 1992 und 2001 die Quoten der Nickelsensibilisierung von 8,9 auf 5,2 Prozent (signifikant) zurück. Dieser Rückgang ist sehr wahrscheinlich auf eine verminderte Nickelexposition durch Modeschmuck (Piercing) zurückzuführen, ohne dass es Hinweise dafür gäbe, dass Piercing an sich an Attraktivität verloren hätte. Seit Anfang der 1990er Jahre gibt es für nickelhaltige Produkte Grenzwerte für die Freisetzung. Ansonsten musste das Produkt anfangs den Hinweis „ist nickelhaltig“ tragen. Später, ab 1996, wurde der Verkauf der den Grenzwert überschreitenden Produkte untersagt. In Ohrsteckern ist Nickel verboten. Auch als Berufsallergen spielt Nickel eine Rolle, z.B. bei Schneidern, Schankwirten, Musikern oder Kassierern. Im beruflichen Bereich spielt einerseits der Kontakt zu nickelhaltigen Legierungen oder vernickelten Gegenständen eine Rolle (Werkstücke, Werkzeuge). Zum anderen kommt auch der Kontakt zu Lösungen von Nickelsalzen vor, etwa bei der Herstellung von Batterien, der Oberflächenvergütung von Metallen oder der Fett- und Kunststoff-Verarbeitung (Katalysatoren). Weitere nickelgefährdete Berufe sind die Herstellung von Pigmenten (z.B. für Keramik) und Druckfarben, die Veredelung von Textilien, die Elektronik und die Magnet-Herstellung. Nickel ist auch Bestandteil von Insektiziden und Düngern. Eine verbreitete Nickelquelle ist auch das Rauchen: Zigarettentabak enthält ebenfalls Nickel, der mit bis zu 20 Prozent in den Rauch übergeht.

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