Selbstbräuner

Hautbräunung nach dem „Prinzip Karamell“

Die Haut des Menschen ist komplex aufgebaut. Sie besteht aus den Schichten: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut und Unterhautfettgewebe. Die Oberhaut ihrerseits setzt sich wiederum aus fünf Schichten zusammen. In den unteren beiden, der Stachelzellschicht und der Basalschicht, befinden sich die Melanozyten. Diese besonderen Hautzellen produzieren beim normalen Bräunungsvorgang unter der Einwirkung von Sonnenlicht den Bräunungsfarbstoff Melanin. Die fertigen Pigmente werden an die umliegenden Zellen abgegeben, dort im Zellplasma eingelagert und sorgen damit für die begehrte Tönung. Zugleich erhöhen die Pigmente den Eigenschutz der Haut vor UV-Strahlung.

Selbstbräuner dagegen wirken anders. Sie bräunen unabhängig von der Sonneneinstrahlung und zwar rein äußerlich, das heißt, an der Oberfläche der Haut. Ihr wichtigster Inhaltsstoff ist Dihydroxyaceton (DHA), ein aus Glycerin gewonnener, farbloser Zucker, der auch im Stoffwechsel des Menschen vorkommt. DHA reagiert mit den freien Aminosäuren und Proteinen im Keratin der Hautzellen. In einer so genannten Maillard-Reaktion entstehen braune Farbstoffe, sog. Melanoide. Die Reaktion beginnt sofort nach dem Auftragen. Das Ergebnis wird nach etwa 3 bis 6 Stunden, bei einigen Produkten bereits nach einer Stunde, sichtbar: Es bildet sich eine Braunfärbung der obersten Zelllagen der Hornschicht. Die Hornschicht ist die äußerste der fünf Oberhautschichten. Darunter liegen noch Glanzschicht, Körnerzellschicht, Stachelzellschicht und Basalschicht. Je höher die DHA-Konzentration – sie liegt je nach Produkt zwischen zwei und sechs Prozent – desto schneller entwickelt sich die Bräune und desto tiefer ist der Farbton. Die erzielte Tönung ist lichtecht, sie hält zwischen drei und fünf Tagen an. Die Zellen der äußeren Hautschicht werden fortwährend erneuert und lösen sich schließlich als Hautschüppchen ab. So verschwindet die Bräune aus der Flasche nach und nach wieder und spätestens nach zehn bis fünfzehn Tagen ist die Haut wieder vollständig entfärbt.

Der gesamte Bräunungsvorgang mit DHA greift nicht in lebende Hautzellen ein, die Zellen der Hornschicht besitzen bereits keinen Zellkern mehr. Die schon abgestorbenen Zellen der Hornschicht werden nach und nach von der Körperoberfläche abgestoßen und aus den tieferen Hautschichten kontinuierlich neu nachgeschoben. Diese Art der Bräunung gilt daher als unbedenklich; auch Langzeitwirkungen sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu befürchten. Aber Vorsicht, etwas anderes gilt es zu beachten: Die durch Selbstbräuner erreichte Hauttönung schützt nicht vor UV-Strahlen! Im Gegensatz zur natürlichen Hautbräunung durch Melanin wird mit DHA keine Schutzwirkung gegen Sonnenbrand erreicht. Legt oder begibt man sich in die Sonne, muss zusätzlich für angemessenen Lichtschutz gesorgt werden. Dazu wie gewohnt Sonnenschutzmittel mit hohen Lichtschutzfaktoren und ausgewogenem UVA-Schutz verwenden. Es gibt aber auch Selbstbräuner, die mit einem UV-Filter angereichert sind.

Ein weiterer selbstbräunender Wirkstoff ist Erythrulose. Dieser biotechnologisch gewonnene Zucker (Ketozucker = Einfachzucker mit Carbonylgruppe >C=O) wird ebenfalls in vielen Produkten eingesetzt, entweder allein oder in Kombination mit DHA. Erythrulose ist chemisch gesehen stabiler als DHA. Das hat zur Folge, dass der Bräunungsvorgang langsamer abläuft. Die Bräunung stellt sich daher nicht innerhalb von Stunden, sondern in ein bis zwei Tagen ein. Die dann entstandene Färbung der Haut allerdings, so sagt man, sei gleichmäßiger, langanhaltender und erscheine natürlicher. Erythrulose kommt beispielsweise in Gesichtskosmetik zum Einsatz.

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