Wissenswertes zu Körperpflege und Kosmetik
Experten geben Rat: Haare – färben, verlängern und pflegen

Interview mit Manfred Hohmann, Friseurmeister, Hairstyler und qualitätsbewusster Entwickler von neuen Methoden für die zufriedenstellende Frisur

Experten geben Rat: Haare – färben, verlängern und pflegen

Herr Hohmann, Haare einerseits und die damit zu erreichende Frisur andererseits sind Blickfang in der Begegnung von Menschen. Haare und Frisuren sind aber auch immer wieder Anlass für Enttäuschung und Frust. Hinsichtlich Farbe, Volumen und Haarverlängerung haben Sie sicher wertvolle Tipps.

haut.de: Viele Frauen möchten gerne einmal ihren Typ ändern und dazu die Haarfarbe wechseln. Die entscheidende Frage ist dann: „Welche Farbe passt zu mir?“. Wie gehen Sie bei dieser Entscheidungsfindung vor?

Hohmann: Bei dieser entscheidenden Frage nehmen wir uns zunächst einmal viel Zeit. Denn die typischen „Klassifizierungen“, wie Hauttyp, Farbtyp und Augenfarbe sind zwar eine wichtige Kategorie, aber wir berücksichtigen dabei außerdem „Geschmacksvorlieben“ der Personen und schon „ansehbare“ Details wie Farbe und Stil der Kleidung oder zum Beispiel der Brille. Oft sind die „geschmacklichen Visionen“ unserer Kundinnen und Kunden wenig „typgerecht“, deshalb erkunden wir die Möglichkeiten sozusagen spielerisch mit einem interaktiven Beratungsprogramm. Mit diesem Hilfsmittel, das wir mittels iPad einsetzen, kann anhand eines eingescannten Fotos die Wirkung eines „neuen“ Stils über 460 unterschiedliche Haarfarbvarianten ausprobiert und visualisiert werden. In dieser Phase spielt die Erfahrung, die qualifizierte Kompetenz und auch das Feingefühl des Friseurs eine entscheidende Rolle. Denn gelegentlich müssen hier eben auch „Träume oder Illusionen“ enttäuscht werden. Wenn aber ein gemeinsames Ziel der Haarfärbung entwickelt wird, und das ist sehr häufig der Fall, dann geben wir eine Garantie, dass die „neue“ Haarfarbe tatsächlich ausfällt wie gewünscht und auch nach Wochen noch hält. Wir stellen einen individuellen „Farb-Garantie-Pass“ aus, der die Details der haarfarblichen Gestaltung enthält.

haut.de: Gibt es grundsätzliche Bedingungen, die beim Haarefärben zu berücksichtigen sind?

Hohmann: Ja, selbstverständlich müssen wir die vorgefundene Struktur des Haares analysieren und bewerten. Haare können ja schon etliche „Strapazen“ erlebt haben, bevor es uns anvertraut wird. Wir schauen also, ob das Haar porös ist, ob es matt ist, ob es Vitalität hat. Beim Färben mit synthetischen Farben finden ja zwei Prozesse statt. Einerseits wird das Haar durch alkalische Prozeduren aufgehellt, also geöffnet für die neue Farbe. Danach kommen Farbbildner zum Einsatz, die ja das gesamte Haar, also jedes einzelne Haar komplett umschließen soll. Wenn wir poröses Haar antreffen, oft ist dies das Ergebnis von übertriebenen Bleichungen, Blondierungen oder auch Dauerwellen, haben wir dies für den Erfolg einer neuen Farbgebung zu berücksichtigen. Durch das Färben allein wird die Beschaffenheit des Haares nicht verbessert. Färben ist primär ein optischer Optimierungs-Prozess. Hinsichtlich der Haarstruktur sind wir Friseure auf die Mithilfe der Kunden angewiesen, denn durch eine gezielte Haarpflege zuhause, ob durch Öle oder Spülungen, kann da einiges erreicht werden. Dabei beraten wir gerne.

haut.de: Beim Haarefärben, besonders wohl beim Selbstfärben, kann ein missliches Ergebnis entstehen. Was raten Sie in solchen Fällen?

Hohmann: Für diejenigen, die das Haarefärben selbst einmal ausprobieren möchten, gilt zunächst Folgendes: Genaues Lesen und Anwenden der Gebrauchsanweisungen der Färbeprodukte. Die Auswahl der Färbemittel in den Regalen ist ja sehr groß. Dennoch sind die Farbvariationen in diesem Sortiment nur begrenzt, deshalb ist der Ergebnis des Färbeprozesses für die Verbraucherinnen und Verbraucher gelegentlich eher unbefriedigend: Frau oder Mann hatte sich das anders vorgestellt. Obwohl diese Produkte für das Selbstfärben sicher sind, kommt es in der Anwendung immer wieder zu Enttäuschungen, wenn die Produktanweisungen nicht genau beachtet werden. So kann beim „Blond-Färben“ gelegentlich ein Gelb oder Gold erzielt werden, wenn die Einwirkzeit nicht eingehalten wird. Bei dunklen Farbtönen ist oft ein „zu dunkel“ das Ergebnis, weil nicht bedacht wird, dass die Farbpigmente auf dem Haar sozusagen addiert werden. Mit jedem Färbevorgang wird der Farbton also dunkler. Wer ein „mattes blond“ möchte, sich aber sowohl bei der Einwirkzeit als auch bei der Menge des Färbemittels verschätzt, erntet eher eine „Lavendel-Tönung“. Bei jedem dieser misslungenen Versuche würde ich den Besuch des Profis empfehlen, bevor ein weiterer „Selbstversuch“ unternommen wird.

haut.de: Viele, vor allem Frauen, beklagen ein zu geringes Volumen, eine zu geringe Fülle ihres Haares. Was kann in diesem Fall getan werden?

Hohmann: Ja, in Mitteleuropa beklagen nach meiner Erfahrung rund 80 Prozent der Frauen ein zu geringes Volumen ihres Haares. Diese Tatsache muss Frau entweder einfach akzeptieren oder einige Tricks beherzigen. Im Fachhandel stehen unterschiedliche Produkte zur Steigerung des Haarvolumens zur Verfügung. Diese wirken auch. Ich empfehle hier Mittel, die auf Glucose-Basis, funktionieren, sie erhöhen das Volumen, lassen das Haar aber leicht und locker. Ein mittlerweile von vielen gut ausgebildeten Friseuren angewendeter Trick ist eine spezielle Haarschneidetechnik. Dieses gelegentlich auch unter dem Begriff „Kalligraphie-Haarschnitt“ zu findende Verfahren beruht darauf, dass die Haare nicht kantig abgeschnitten werden, sondern rund. Dies sorgt mittelfristig für mehr Haarvolumen. Relativ neu sind Verfahren zur Haardichtung oder auch Haarverlängerung, bei denen „Fremdhaare“, also sozusagen Haarersatzteile, verwendet werden. Diese werden entweder mit dem bestehenden Haar oder der Kopfhaut verwoben oder verklebt, die Verbindungsstelle zwischen eigenem Haar und Fremdhaar wird übrigens neudeutsch als „bonding“ bezeichnet. Die Nachfrage nach dieser Methode steigt in der letzten Zeit enorm.

haut.de: Langes Haar ist ja für viele ein Wunschtraum, der oft nicht in Erfüllung gehen kann. Was raten Sie diesen Personen?

Hohmann: Menschen, die einsehen, dass aus dem gegebenem Haar kaum eine gelungene Langhaar- oder Zopffrisur zu machen ist, nutzen zunehmend einen Kunstgriff… sie greifen zum Haarteil. Hier gibt es mittlerweile sehr praktische, moderne und schöne Möglichkeiten, die passend zum Event, also je nach Anlass, ob festliche Gala oder jugendliche Party, ein „neues Styling“ zulassen. Ich schätze mal, dass zirka 20 Prozent der Frauen in Deutschland schon über ein Haarteil zum „Drüberziehen“ beziehungsweise zum „Andocken, ob Pony oder Zopf, verfügen. Wem das nicht zusagt, kann beruhigt sein, denn die Kurzhaarfrisur, also die „schnittbetonte Frisur“ wird in den nächsten Monaten, bestimmt im nächsten Jahr, zum modischen Trend. Ebenso wie „blond“ wieder eine Renaissance erleben wird.

Weitere Informationen zu Haarpflege und Hairstyling von Manfred Hohmann im Internet unter: http://www.hairszenario.de/

Quelle: haut.de

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