Wissenswertes zu Körperpflege und Kosmetik
Experten geben Rat: Dekorative Kosmetik – Grundsätzliches und Besonderes

Interview mit Ricarda Zill

Experten geben Rat: Dekorative Kosmetik – Grundsätzliches und Besonderes

Ricarda Zill arbeitet als freie Visagistin und Seminarleiterin. In Kursen gibt sie regelmäßig ihr Wissen zu Hautpflege, Dekorativer Kosmetik und Haarpflege weiter und berät zu Stylingfragen. Prominente aus Film und Fernsehen nehmen ihre über 10-jährige Erfahrung und ihre Ideen gerne in Anspruch, so z.B. Jessica Schwarz, Heike Makatsch und Jane Fonda. haut.de spricht mit der Expertin über ein gekonntes Make-up und über das Besondere von Dekorativer Kosmetik.

haut.de: Stichwort „etwas aus sich machen….“. Welche Bedeutung hat dekorative Kosmetik? Unterstützt Make-up die persönliche Ausstrahlung, das eigene Wohlbefinden oder dient dekorative Kosmetik eher der „Maskerade“?

Frau Zill: Aus meiner Sicht dient Dekorative Kosmetik vor allem zwei grundsätzlichen Zielen. Einerseits unterstreicht sie die vorfindbare „natürliche Schönheit“ von Personen und sorgt damit für eine Strahlkraft nach innen und nach außen. Andererseits hilft dekorative Kosmetik beim Kaschieren von Makeln. Rötungen, große Hautporen und Gesichtsäderchen zum Beispiel können, was die Sichtbarkeit angeht, abgemildert oder überdeckt werden. Beide Strategien verhelfen zu einem erhöhten Selbstwert und zu Selbstbewusstsein. Womit die Ausstrahlung, die Wirkung nach außen, wiederum gesteigert wird.

„Maskerade“, also das komplette „ein anderer Mensch sein“ durch kosmetische Kunstgriffe funktioniert eigentlich nicht. Wenn nicht ein bestimmter Anteil authentisch mit der Person oder Persönlichkeit verbunden ist, fehlt die Basis. Das wirkt dann meist komisch oder irritierend. Kosmetische Übertreibungen, wenn es nicht gerade wirklich als „Maskerade“ für einen Maskenball gedacht ist, entlarvt sich schnell und führt zu negativen Wirkungen.

Natürlich ist bei der Kosmetik auch Ausprobieren erlaubt. Die spielerische Ebene ist durchaus hilfreich, wenn es darum geht, herauszubekommen, welcher natürliche Typ bin ich eigentlich und welche typischen „Züge“ möchte ich hervorheben und welche eher in den Hintergrund treten lassen. Der innigste Wunsch: Ich möchte gern so aussehen wie meine Freundin oder wie XY aus der TV-Geschichte kann zwar in Erfüllung gehen, aber wenn es nicht zum eigenen Typ passt, ist das Ergebnis meist eher eine Rolle oder eine Kopie, die eine von innen kommende Ausstrahlung vermissen lässt.

Für gekonntes Make-up, das eben nicht aussieht wie „gespachtelt“, ist eine gewisse Fingerfertigkeit und Geduld erforderlich. Beides kann man lernen. Professionelle Visagisten zum Beispiel realisieren ein gutes „Gesichts-Make-up“ in vielen kleinen Schritten. Ein „alles-sofort und mit-einem-Handgriff“ gibt es da eigentlich weniger.

haut.de: Was gehört zu einem wirkungsvollen Make-up? Welche unterschiedlichen „Hauttypen“ sind dabei zu berücksichtigen?

Frau Zill: Zunächst ist die Frage nach dem Hauttyp von zentraler Bedeutung. Um zu wissen, welches Make-up passt zu mir, muss ich etwas über meinen Hautzustand im Gesicht kennen. Dabei stehen in der Regel drei Kategorien zur Verfügung: Die „normale Haut“, die keine Rötungen zeigt und normal große Hautporen aufweist und deshalb mit einer Flüssig-Foundation gut versorgt werden kann. Die „Trockene Haut“, die Puder nicht gut verträgt, sondern mit Produkten, die über einen höheren Fett- bzw. Ölanteil verfügen, versorgt werden sollte. Oder die eher zu „Fett neigende Gesichtshaut“, die Puder gut verträgt und überschüssiges Fett der Haut damit absorbiert werden kann. Wo eine so genannte Mischhaut, insbesondere in der T-Zone, anzutreffen ist, kann bei der Teintgrundierung gut Kompaktpuder und ein entsprechender Puderpinsel eingesetzt werden.

Es gibt aber noch weitere Bedingungen, die zwar auch eine Typfrage sind, aber nicht vom Hauttypen abhängig sind, sondern eher durch anatomische Merkmale der Person bestimmt sind:

So zum Beispiel die „Augenform“. Ist die eher rund oder eher mandelförmig? Durch Einsatz von Eyeliner kann die Augenform visuell eher in die „runde“ oder „mandelförmige“ Erscheinung gebracht werden. Zusätzlich kann man große Augen durch eine dunkle Umrandung optisch verkleinern, und kleine Augen durch helle Nuancen entlang der Wasserlinie, diese befindet sich am unteren Wimpernkranz, optisch größer erscheinen lassen.

Weiter geht es um die Frage „Schlupflid“ oder nicht? In europäischen Gefilden verfügen von 30 Frauen annähernd 25 über ein so genanntes Schlupflid. Davon spricht man, wenn der bewegliche Teil des Augenlides nur wenig in Erscheinung tritt, oder vom Oberlid komplett verdeckt wird.

Mit der richtigen Technik und den passenden Lidschatten kann man hier einiges erreichen. Hierbei ist zu beachten, dass Unterlid in hellen Nuancen zu schminken, und darüber mit einem dunkleren Lidschatten das Oberlid in den Hintergrund zu rücken.

Auch für die Augenhöhlen, in ihrer anatomischen Gestalt manchmal eher „tief“ oder eher „flach“, gilt die kosmetische Faustregel. „Helle“ Farben lassen etwas hervortreten, „dunkle Farben“ bringen etwas in den Hintergrund, sorgen eben für „Tiefe“.

Auch für die Gestaltung der Lippen findet diese Faustregel Berücksichtigung: Bei schmalen Lippen eher Verzicht auf dunkel und matt, weil sie damit zunehmend in den Hintergrund geraten. Während volle Lippen durchaus mit hellen Farbe betont werden können, das ist aber eher eine Geschmacksfrage. Sicher ist aber, dass Lipliner nicht außerhalb der Lippen aufgetragen werden sollten. Das führt zu „unschönen“ Ergebnissen, denn die Lippen haben keine Hautporen und keine Härchen, die Hautumgebung des Mundes aber schon.

Für das Rouge oder das Konturieren spielt die Gesichtsform eine entscheidende Bedeutung. Üblich ist es dabei, zwischen „rund“, „oval“, „eckig“ und „herzförmig“ zu unterscheiden. Die Anatomie der Wangenknochen und Kieferpartie sind hier Determinanten. Jede Gesichtsform hat etwas „Besonderes“, das durch Farbe und Form des Rougeauftrages hervorgehoben oder zurückgenommen werden kann, je nach Typ, Stimmung oder Vorliebe. Dekorative Kosmetik verleiht individuelle Möglichkeiten und besondere Noten, die sich am persönlichen Wohlfühlen orientieren.

haut.de: Wie sieht es eigentlich mit Dekorativer Kosmetik für den Mann aus? Nimmt das Interesse daran eher zu? Wie unterscheidet sich die von der weiblichen Kosmetik?

Frau Zill: Da es bei Dekorativer Kosmetik insgesamt ja darum geht, dem Teint Frische zu verleihen, steigt auch das Interesse von Männern daran. Männerkosmetik ist nach meiner Einschätzung auf dem Vormarsch. Primär geht es für den Mann um ein natürliches Make-up und eben auch um eine attraktive Erscheinung, mit der auch der Mann sich wohlfühlt. Dieser Trend ist nicht nur bei „extrovertierten“ Männern wahrzunehmen, auch der „normale“ Mann möchte zunehmend etwas tun, um die typischen vergrößerten Hautporen im Gesicht abzumildern. Vermehrt tritt der Wunsch auf, Augenringe zu kaschieren oder die Augenbrauen zu betonen. Ich erlebe zunehmend, zum Beispiel beim für alle offenen Schminkstudio auf der Berlinale, dass nicht nur die Stars, sondern auch die Besucher, für Dekorative Kosmetik eine Neugierde entwickeln, mal etwas ausprobieren wollen. Für mich ist das Ausdruck einer auch beim Mann anzutreffenden Wertschätzung für das eigene Selbst und die Ausstrahlung bewusst in Bahnen zu lenken. Dabei ist das Vorgehen allerdings eher dezent, aufdringliche Dekoration mit Rouge und Lippenstift steht da nicht im Zentrum. Vielmehr geht es um einen leichten Concealer, um rote Stellen zu mildern oder Narben abzudecken. Auffällig große Poren können gut mit einem leichten Primer „weggeschummelt“ werden und Glanzflächen an Stirn und Nase verschwinden mit einem Kompaktpuder oder dem Einsatz eines Make-up-Stiftes. Vermutlich werden zukünftig weitere Produkte speziell für den Mann angeboten, die auf die männlichen Vorlieben berücksichtigen…. eine spannende Entwicklung.

haut.de: Was empfehlen Sie für festliche Anlässe (Weihnachten, Silvester)? Darf das Make-up hierfür auch mal etwas Besonderes sein? Womit kann das Besondere erreicht werden?

Frau Zill: Da sehe ich Chancen für diverse Highlights, denke allerdings, dass zwischen den Anlässen durchaus unterschieden werden sollte. Es ist doch zu beachten, ob es um ein gediegenes Festmahl, einen rauschenden Ball oder eine ausgelassene Party geht.

Basis für das „Besondere“ sollte immer ein schönes Hautbild sein, das habe ich ja schon beschrieben. Sowohl für die Grundlage als auch für die Highlights ist es ratsam, auf langanhaltende Produkte zu achten, also auf den 24-Stunden-Einsatz.

Zu den Highlights für besondere Anlässe gehört meistens Glitzer und Glamour. Also insbesondere Lidschatten mit diesen Schimmereffekten. Dabei muss allerdings bedacht werden, dass diese Produkte mitunter zum Krümmeln neigen, also von den Augenlidern in andere Gesichtspartien wandern. Das ist dann nicht immer schön…, glitzert zwar, aber an Stellen, wo es nicht unbedingt sein sollte.

Etwas ganz Besonderes kann mit falschen Wimpern erreicht werden. Die stehen mittlerweile in unterschiedlichen Variationen zur Verfügung und sowohl das komplette Wimpernband als auch die Einzelwimpern lassen sich mit etwas Übung recht gut handhaben. Wichtig ist dabei, dass der Kleber vor dem Anbringen immer etwas Zeit zum Antrocknen hat, sonst ist die Anhaftung etwas schwierig.

Für festliche Lippeneffekte würde ich zu Lippenlack, Glossen oder Gelstiften raten, die gibt es in verschiedenen Effektvarianten, von dezent bis grell und können farblich gut auf das Make-up oder die Kleidung abgestimmt werden. Auch hier ist zu bedenken, dass beim Festessen oder auch beim Durchtanzen eventuell mal das Nachziehen der Lippenkosmetik erforderlich ist.

haut.de: Wir danken für das Gespräch!

Quelle: haut.de

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