Wissenswertes zu Körperpflege und Kosmetik
Experten geben Rat: „Jugend ungeschminkt“

Interview mit Ines Imdahl

Experten geben Rat: „Jugend ungeschminkt“

Ines Imdahl – Inhaberin und Geschäftsführerin der rheingold salon Marktforschungsagentur, Köln. Die Agentur bietet neben der klassischen, tiefen-psychologischen und morphologischen Marktforschung, strategische Beratung an und hat die Studie „Jugend ungeschminkt“ durchgeführt.

Unter dem Titel „Jugend ungeschminkt“ wurden jüngst die ersten Ergebnisse einer Studie veröffentlicht, bei der mehr als 1.000 Jugendliche zum Thema Körperpflege interviewt wurden. Insbesondere vor dem Hintergrund der üblichen Orientierungssuche im Jugendalter und der zu bewältigenden Herausforderungen, die zum Beispiel die Pubertät mit sich bringen kann, lassen die wissenschaftlichen Aussagen aufhorchen – Manches Ergebnis überrascht.

haut.de: Frau Imdahl, was stand für Sie bei der Studie „Jugend ungeschminkt“ im Zentrum der Befragungen, was hat Sie besonders interessiert?

Frau Imdahl: Es gibt ja schon eine ganze Reihe von Jugendstudien, die sich mit den Werten, den Vorlieben oder auch dem Medienverhalten beschäftigen. Wir wollten jedoch Erkenntnisse darüber gewinnen, wie Jugendliche mit ihren Unsicherheiten, Sorgen und Nöten umgehen. Wie handhaben sie die typischen Gefühlsschwankungen in der Pubertät oder wie empfinden sie die aufkeimende Sexualität? Wie entwickeln sie ein positives Gefühl zu sich selbst? Und – unterstützen Kosmetik- und Schönheitspflegeprodukte beim Erwachsen-Werden?

haut.de: Das sind ja durchaus sehr private, persönliche Themen über die man nicht unbedingt bei einer Befragung spricht. Wie sind Sie bei der Befragung vorgegangen?

Frau Imdahl: Wir haben eine tiefenpsychologische Studie durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen die Jugendlichen von Seiten, die sie sonst nicht gerne anderen offenbaren – ganz ungeschminkt. Und wir durften auch jene Facetten kennenlernen, die sie nur allzu gerne vor anderen verstecken. Ergänzt wurde die Studie durch eine statistisch repräsentative Befragung. Auf diese Weise konnten wir noch besonders interessante Erkenntnisse quantitativ ergänzen. Es handelt sich also um eine tiefenpsychologisch-repräsentative Studie.

haut.de: Was konnten Sie so über die Lebenswelten der heutigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen erfahren?

Frau Imdahl: Die familiäre Situation der Jugendlichen ist häufig schwierig. Ein guter Teil der 14 bis 21-Jährigen kommt aus recht brüchigen Verhältnissen. So haben viele schon Trennungen, Patchwork, Umzüge und neue Schulen erlebt. Sie fühlen sich von ihren Eltern eher weniger geliebt und hoffen auf ein stabileres Leben. Andere wiederum kommen aus beinahe überbehüteten Verhältnissen und sind sicher, mit ihren Qualifikationen fast alles erreichen zu können. Ganz erstaunlich fanden wir, dass es nach der vorliegenden Studie keine ausgeprägte Mitte gibt.

haut.de: Die Schaffung eines attraktiven Äußeren ist für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen laut der Studie zentral. Warum ist das so?

Frau Imdahl: Gemeinsam ist ihnen, dass die Jugendlichen nicht gerne über das reden, was ihnen peinlich ist. In der Pubertät gibt es aber jede Menge ungewohnter Situationen, die als peinlich empfunden werden und die sie am liebsten verdecken würden. Schweißgeruch, die unliebsamen Pickel im Gesicht oder die fettigen Haare. Das verunsichert. Und da es auch bei den Sozialkontakten viele verunsichernde Umstände im Leben der Jugendlichen gibt, legen die Jugendlichen verstärkt Wert auf ihr Äußeres, um so für sich Kontrolle und Sicherheit zurückzugewinnen. 85 Prozent nehmen Kosmetikprodukte, um sich sicherer zu fühlen. Die Schaffung eines attraktiven Äußeren ist ein gutes Mittel, um Ordnung und Kontrolle zu erhalten. Was als peinlich empfunden wird, kann so verdeckt werden.

haut.de: Gibt es Schönheitspflegeprodukte, die für die Jugend unverzichtbar sind?

Frau Imdahl: Heutige Jugendliche investieren viel mehr in gutes Aussehen als frühere Generationen. Zur täglichen Routine gehören heute Deo und Shampoo. Fast 60 Prozent der Mädchen nutzen täglich Mascara. Interessant ist auch die Mediennutzung: Informationen über die Anwendung von Kosmetik holen sich Jugendliche sehr viel aus YouTube Tutorials.

haut.de: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Quelle: haut.de

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