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„Der Haut Zeit geben“ - Schutz vor Hautschädigungen durch Sonnenstrahlung

Prof. Dr. rer. nat. Dr.-Ing. Jürgen Lademann, Charité, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie

Jürgen Lademann ist ein international anerkannter Forscher, der sich mit Themen an der Nahtstelle zwischen Dermatologie, Pharmakologie und Biophysik beschäftigt. Von Hause aus Physiker leitet er seit 1996 den Bereich „Experimentelle und angewandte Physiologie der Haut“ an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin.

haut.de: Welche Auswirkung hat ein Sonnenbrand auf die Haut. Unmittelbar und längerfristig?

Dr. Lademann: Der Sonnenbrand ist sicher eine der „schädlichen“ Wirkungen der Sonnenstrahlung. Aber letztendlich ist der Sonnenbrand das Ergebnis eines „unvernünftigen Umgangs“ der Menschen mit der Sonne. Nicht die Sonne ist der „Übeltäter“, ihre Strahlen sind für das Leben und den menschlichen Organismus wichtig. Ein Zuviel hat aber recht negative Auswirkungen. Sonnenbrand ist eine schmerzhafte Zerstörung der Haut, die nicht nur an der Hautoberfläche sichtbar wird, sondern auch weiterreichende, bis in die tieferen Hautschichten gehende Prozesse zur Folge haben kann. Dazu gehören nicht nur die typischen Erscheinungen einer frühen Hautalterung und eventuelle Entzündungsreaktionen, sondern auch die Reduzierung der Immunabwehr des Körpers. Wir nennen das Immunsuppression. Nach zu intensivem Sonnengenuss gelangt das System in Aufruhr, die körpereigenen Abwehrmechanismen gegen Keime funktionieren dann nicht reibungslos, es kann zu Fieber, Erkältungen und anderen Infektionserkrankungen führen, unter anderem auch deshalb weil Zellen durch die Sonnenstrahlung geschädigt wurden. Hautkrebs kann eine Folge zu intensiver Sonnenstrahlung sein. Wer sich mit Sonnenbrand weiterhin der Sonnenstrahlung aussetzt, handelt in hohem Maße riskant. Sonnenschutzmittel lindern den Sonnenbrand an der Haut nicht und sie können die eingesetzten Schädigungsprozesse in der Haut auch nicht mehr rückgängig machen.

haut.de: Wie groß ist das Potential durch einen Sonnenbrand ausgelöst an Hautkrebs zu erkranken?

Dr. Lademann: Das Potential ist recht groß. Deshalb ist die Empfehlung, „Sonnenbrand vermeiden“, richtig und wichtig. Also Bekleidung, das Meiden der Mittagssonne und das Eincremen mit Sonnenschutzmitteln dient diesem Zweck. Aufgrund der verfügbaren sehr wirksamen Sonnenschutzmittel verlängert sich die mögliche Aufenthaltsdauer im Freien, je nach Hauttyp und Lichtschutzfaktor des Sonnenschutzmittels. Damit tritt das Alarmsignal „Sonnenbrand“, eben die sichtbare Schädigung der Haut, aber auch erst später ein. Bis zu diesem Zeitpunkt kann es durchaus sein, dass die UV- sowie auch die Infra-Rot-Strahlung der Sonne schon eine kritische Dosis überstiegen hat und dadurch ausgelöst freie Radikale aktiviert hat, die zu Zellschädigungen führen können. In der Wissenschaft beschäftigt man sich zunehmend mit der Frage der „Kritischen-Radikal-Konzentration“.

Ein sorgloser Umgang mit der Sonne hat aber weiterhin ein hohes Risiko. Deshalb ist die Verbraucheraufklärung mit praktischen Tipps umso erforderlicher. Zum Beispiel ist es wichtig, sich „richtig“ einzucremen, manche Körperstellen werden dabei oft vernachlässigt. Sinnvoll ist es auch, wenn Menschen, die sich viel in der Sonne aufhalten, ob beim Sport, bei der Arbeit oder im Urlaub, sich einen groben Überblick verschaffen, wieviel „Sonnen-Expositions-Stunden“ sie im Laufe eines Monats ihrer Haut schon angetan haben, denn die Haut vergisst „Sonnenstrapazen“ nicht und nach 10 oder 15 Jahren können frühere Schädigungen sich durch Hautkrebserkrankungen zeigen.

haut.de: Ein wichtiger und positiver Effekt des Sonnenlichts ist es, dass die UV-Strahlen die körpereigene Produktion von Vitamin-D anregen. Deshalb wird gelegentlich vom Sonnenschutz abgeraten, denn ein Mangel an Vitamin-D kann zu Schädigungen der Knochenstabilität und des Immunsystems führen. Wie sehen Sie das?

Dr. Lademann: Für die ausreichende Bildung von Vitamin-D ist tatsächlich die UV-Strahlung der Sonne erforderlich, das ist Fakt. Wer deshalb allerdings auf Sonnenschutz verzichtet, setzt sich dem erhöhten Risiko für Hautschädigungen und Hautkrebserkrankungen aus, denn auch bei den für die Vitamin-D-Bildung oft genannten bis zu 30 Minuten täglichem Aufenthalt in der Sonne, kann die kritische Dosis für Hautschädigungen, eben je nach Hauttyp und Intensität der UV-Strahlung schon überschritten werden. Aktuelle Studienergebnisse zeigen eher auf, dass Menschen, die sich „sonnengeschützt“ im Freien aufhalten auch einen ausreichenden Vitamin-D-Spiegel aufweisen. Die individuelle Gesundheitsstrategie „Sonne in Maßen“ berücksichtigt also beides: die notwendige Vitamin-D-Anregung und den Schutz vor Hautschäden. Ausgedehntes Sonnenbaden erhöht den Vitamin-D-Spiegel nicht zwangsläufig und Sonnenschutz verhindert nicht die ausreichende Vitamin-D-Produktion.

Tipp des Experten: „Der Haut Zeit geben“

Dr. Lademann: Die Sonne hat für die meisten Menschen etwas sehr Verlockendes. Aber die Haut braucht Zeit, um sich auf den Umgang mit der Sonnenstrahlung einzustellen. Wer sich über Wochen vornehmlich in geschlossenen Räumen aufgehalten hat und nun plötzlich die Freiluftsaison eröffnet, sich Mittags in die Sonne setzt, für Stunden draußen aktiv ist oder von heute auf morgen in den sonnigen Urlaub startet, sollte bedenken, dass die Haut sich auf die „strahlenden Herausforderungen“ einstellen muss. Die menschliche Haut besitzt eigene Mechanismen, um sich und den Organismus vor UV-Strahlung zu schützen. Der Eigenschutzmechanismus Nummer eins der Haut liegt in den Pigmentzellen (Melanozyten) unter der Hornhaut. Hier wird der Hautfarbstoff Melanin gebildet, der die begehrte Bräune hervorruft. Der Prozess der Neubildung von Pigmenten und der Transport in höher gelegene Epithelschichten gehen jedoch nur langsam vor sich. Der Farbstoff wird erst nach etwa zwei bis vier Tagen an der Hautoberfläche sichtbar. Durch die Bräunung der Haut sollen die darunterliegenden Hautschichten und vor allem die DNA der Zellkerne geschützt werden. Erster Sonnengenuss sollte also möglichst in kleinen, zeitlich begrenzten Portionen, maximal 30 Minuten, stattfinden. Wer sich gleich zu Beginn der Freiluftsaison einen Sonnenbrand „einfängt“, tut seiner Haut keinen Gefallen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!



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