Wissenswertes zu Körperpflege und Kosmetik
Experten geben Rat: Kann man die Hautpflege auch übertreiben?

Interview mit Prof. Dr. Volker Steinkraus, Facharzt für Dermatologie

Experten geben Rat: Kann man die Hautpflege auch übertreiben?

Prof. Dr. Volker Steinkraus ist Facharzt für Dermatologie und leitet gemeinsam mit sechs Partnern das Dermatologikum in Hamburg. *

haut.de: Gut gepflegte Haut ist das Aushängeschild des Menschen. Kann man die Hautpflege übertreiben? Gibt es sozusagen eine „Überpflege“ für die Haut?

Prof. Steinkraus: Das Problem eines „des Guten zu viel“ in der Hautpflege gibt es tatsächlich. Einerseits sehen wir Dermatologen das Phänomen des übertriebenen Reinigens. Vor allem bei jüngerer Haut ist das morgendliche Säubern und Erfrischen der Haut mit „klarem Wasser“ völlig ausreichend. Da die Haut während des nächtlichen Schlafes in der Regel kaum verunreinigt wird, ist der Einsatz von Seife am Morgen meistens nicht nötig. Wenn Reinigung, dann eine sehr milde Form, denn alles andere beeinträchtigt auch die natürlichen Lipide der Haut und das wäre für die Balance zwischen Wasser– Fettanteilen schädlich. Außerdem gehört der übermäßige Gebrauch von „reichhaltigen Cremes“ zu typischen Formen der „Überpflege“. Eine „Überfettung“ der Haut sorgt für Irritationen, denn die Haut braucht Luft zum Atmen und zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes zwischen Wasser und Fett.

haut.de: Welche Symptome treten bei einer Überversorgung der Haut typischerweise auf?

Prof. Steinkraus: Erste Auffälligkeiten sind rund um den Mund und an den Augenpartien zu erkennen. Hier kann es zu Rötungen kommen. Aber auch Pickel, kleine Mitesser und vor allem verstopfte Poren, die in der Folge zur Eiterbildung in den Hautporen führen, sind Zeichen einer übertriebenen Hautpflege. Dies sind eben Hinweise für eine gestörte Balance von fett- und wasserhaltigen Anteilen in der Hornhautschicht.

haut.de: Welche Tipps können Sie für die unterschiedlichen Hauttypen hinsichtlich einer notwendigen Vermeidung von „Überpflege“ geben?

Prof. Steinkraus: Bei der Frage nach den notwendigen Pflegemaßnahmen für unterschiedliche Hauttypen muss streng genommen sehr viel stärker differenziert werden. Die üblichen Einteilungen zwischen „fett“, „feucht“, „fettarm“ und „trocken“ reichen an dieser Stelle nicht aus. Oft zeigt die Charakteristik der Haut in der T-Zone, also „rund um Stirn und Augen“, zum Beispiel andere Merkmale als die Haut im äußeren Gesichtsbereich. Darauf sollte bei der Pflege Rücksicht genommen werden. So sind unter anderem Faktoren wie Talgdrüsen-Produktion, Schweißdrüsen-Aktivität, Hautalter und Pigmentierung weitere Parameter für eine gezielte und individuelle Pflegeversorgung. Bei dieser sehr vielschichtigen Analyse des Hauttypen kann der Dermatologe helfen. Generell sollten Verbraucher den Fettanteil der Pflegeprodukte beachten: Meistens ist “weniger Fett“ die bessere Wahl. Also besser Oel-in-Wasser-Emulsionen bevorzugen (O-W-Creme). Eine milde Reinigung der Haut am Abend, mit der die natürlichen Lipide der Haut nicht entfernt werden, ist für alle gängigen Hauttypen eigentlich ausreichend, dann ist auch ein übermäßiges „Salben“ für die Nacht nicht erforderlich.

haut.de: Was empfehlen Sie Personen, die Anzeichen einer „Überversorgung“ der Haut feststellen?

Prof. Steinkraus: Zur Beseitigung dieser Phänomene braucht es zunächst die „Null-Diät“ für die Haut, also Verzicht auf jegliches Pflegemittel. Bis sich erste Erfolge dieser Maßnahme zeigen, ist aber auch Geduld erforderlich. Denn die Haut, eben ihr Gleichgewichtshaushalt zwischen Wasser und Fett, muss sich allmählich wieder umstellen. Für diese Phase ist die Verwendung leichter Oel-Wasser–Emulsionen (Lotio) empfehlenswert. Sie können den natürlichen Regulationsprozess unterstützen. Gegebenenfalls ist der kurzzeitige Einsatz eines gutverträglichen Hautantibiotikums (Erythromycin) erforderlich.

* Im DERMATOLOGIKUM HAMBURG werden pro Tag durchschnittlich 300 Patienten behandelt. Das Team von 40 Ärzten (davon 25 Fachärzte) deckt das komplette Behandlungsspektrum mit Spezialisten ab: die klassische Dermatologie, die operative Dermatologie, die Allergologie, Gefäßchirurgie, Lasermedizin und dermatologische Labordiagnostik. http://www.dermatologikum.de/

Quelle: haut.de

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